Case Study

Fissler – Case Study

Controlling-Sortiment nach eigenem Geschmack

Das Unternehmen
2005 feierte Fissler sein 160-jähriges Jubiläum als Hersteller von weltweit erfolgreichem Kochgeschirr und Küchenhelfern. Auch heutzutage bleibt Fissler seiner Philosophie treu und gestaltet die Firmen- und damit auch ein Stück Kochgeschichte unter dem Motto "Qualität & Ideen". Über Generationen gewachsenes technologisches Know-how, sorgsame Fertigung, Innovationskraft und die Orientierung an den Kundenbedürfnissen sind die Säulen, die den Erfolg und die Philosophie des Unternehmens begründen.

Die Herausforderung
Fissler steht vor der Herausforderung, das breite Sortiment, die Vielzahl der Aktionsprodukte und die internationalen Anforderungen so zu planen, dass die Verfügbarkeit jederzeit gewährleistet ist und Komplexitätskosten in Produktion und Logistik möglichst niedrig sind.

Da für alle Planungsbeteiligten die nötige Transparenz nicht ausreichend gewährleistet war, der Planungs- und Controllingprozess unterjährig neu gestaltet werden sollte und kein Vertriebsinformations-, -planungs- und -controllingsystem im Einsatz war, beauftragte Fissler die Unternehmensberatung Global Solutions Europe mit der Überarbeitung der Prozesse, der Auswahl einer geeigneten Software und der Begleitung bei der Einführung. Alle am Vermarktungsprozess Beteiligten sollten künftig in die Planungs- und Controllingphasen miteinbezogen werden.

Die Board-Lösung
Nach einer umfassenden Evaluierung von SAP-Modulen und 27 Anbietern analytischer CRM-Systeme entschied man sich bei Fissler, ein Vertriebsinformations-, Planungs- und Controllingsystem auf Basis des Management Intelligence Toolkits Board aufzubauen. Aufgrund des programmierfreien Toolkit-Ansatzes von Board ließ sich die Entwicklung des Systems gemäß den umfassenden Anforderungen zusammen mit den verantwortlichen Fissler-Mitarbeitern innerhalb weniger Monate umsetzen.

Hierzu wurden die unternehmensweiten Stamm- und Bewegungsdaten aus dem SAP-System in die integrierte multidimensionale Datenbank von Board überführt und ein Vertriebsplanungssystem aufgebaut, dessen Ist-Daten die Grundlage für die angeschlossenen Planungsprozesse bilden.

Das System wurde bereichsübergreifend für verschiedene Zeithorizonte inklusive der Aktionsplanung und einer rollierenden Aktualisierung von Planwerten erstellt und in Form eines Workflows anwenderfreundlich umgesetzt.

Der Gesamtplanungsprozess wird vor diesem Hintergrund in verschiedene Workflows unterteilt. Ausgehend von Vorjahreswerten wird von Vertriebsinnendienst und Controlling eine Urplanversion der Jahresplanung in vordefinierten Schritten erstellt. In der rollierenden Umsatz-Planung wird die Jahresplanung durch den Vertriebsaußendienst fortgeführt und nach den Erkenntnissen eines Plan-Ist-Abgleichs kontinuierlich angepasst. Auf diese Weise können regulierende Maßnahmen zeitnah eingeleitet und in der weiteren Planung berücksichtigt werden. Strukturveränderungen und künftige Anforderungen lassen sich aufgrund der großen Flexibilität des Systems jederzeit schnell berücksichtigen.

Für die Aktionsplanung wird jeweils das aktuelle Aktionskennzeichen mit Aktionsartikeln, Preisen und Warenpaketen direkt aus dem SAP-System geladen. Auf Basis von Top-Down-Vorgaben für jedes Vertriebsgebiet erstellt das System selbst Vorschlagswerte einer Kundenumsatzverteilung aufgrund des Vorjahresumsatzes. Die eigentliche Aktionsplanung erfolgt bottom-up durch den Vertriebsaußendienst getrennt nach A/B-Kunden (Planung auf Kundenebene) einerseits und sonstigen Kunden (summarische Planung auf Ebene des Außendienstgebietes) andererseits.

Anfang 2007 wurde eine Erweiterung der Board-Applikation auf internationaler Ebene eingeführt: dank der mehrsprachigen Datenbank von Board konnte die komplette Applikation zusätzlich auf Französisch zur Verfügung gestellt werden. Nun wird die Planung direkt mit Board von den internationalen Planungsverantwortlichen der Fissler GmbH erstellt und ein internationales tagesaktuelles Reporting wird ermöglicht.

Der Kundennutzen
Mit der Einführung von Board als zentrales Steuerungsinstrument wurde nicht nur eine größere Transparenz und bessere Planungsgrundlage geschaffen, sondern auch ein höheres Maß an Verbindlichkeit in die Planung insgesamt gebracht. So können nicht nur die Auswirkungen durchgeführter Aktionsverkäufe detailliert ausgewertet, sondern bereits im Vorfeld umfassend simuliert und in der Planung berücksichtigt werden. Auf diese Weise wird neben dem Unterneh-menserfolg auch die Sicherung des vormals sehr personenbezogenen Know-hows durch das System garantiert.

 

Integrierte Bedarfsplanung - Anwenderbericht Teil 2​

Die Aufgabenstellung

Bereits seit Ende 2004 nutzt Fissler eine Reporting- und Planungslösung auf Basis von Board – Fissler intern als VIPS bezeichnet (Vertriebs- Informations- und Planungs-System -> Eigene Fallstudie zu diesem Projekt finden Sie unter "Fertigung"). Im Zuge der Neustrukturierung der gesamten Supply Chain-Prozesse ergaben sich veränderte und neue Anforderungen an VIPS, unter anderem die Anbindung der Planung an SAP. Parallel wünschte das Unternehmen eine Versionsaktualisierung, um künftig die Vorzüge der neuen Version Board 8 nutzen zu können.

Aufgrund positiver Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Beratern von Board-Partner SDG trat Fissler mit den Upgrade-Anforderungen SDG heran. Die konkreten Anforderungen hatte Fissler bereits intern erarbeitet und in einem Pflichtenheft dokumentiert.

Die Lösung

Hinsichtlich der neuen Architektur empfahl SDG die Realisierung eines Datawarehouse (DWH) auf Basis des Microsoft SQL Servers. Dadurch ließ sich zum einen unkompliziert der neuen und entscheidenden Anforderung entsprechen, in das Vorsystem SAP zurückzuschreiben, und zum anderen weitere internationale Unternehmensdaten integrieren. Die Planung sollte künftig verbindlich SAP-Bestellungen und -Bedarfskontingente generieren.

Die Schnittstelle zwischen DWH und SAP wurde ermöglicht durch das Tool Xtract IS der Theobald Software GmbH sowie durch eine SAP-seitige Schnittstellenanpassung. Hierbei hat die IT von Fissler maßgeblich mitgewirkt. Somit steht Fissler  jetzt eine klare und flexible Architektur auf dem neuesten Stand der Technik und das in Verbindung mit angemessener Flexibilität in der weiteren Datenintegration zur Verfügung.

Realisierung in Modulen

Mit Projektstart konvertierten und bereinigten die SDG-Berater die alten Strukturen des vorherigen Systems, setzten das DWH auf und realisierten die Schnittstelle zu SAP. Anschließend konnte der Relaunch der Planungslösung beginnen.

Das System umfasst vier mengenbasierte Module: Jährliche Vorplanung, Zentrale Jahresplanung, monatlich rollierender Forecast sowie Aktionsplanung (Inland). Die gesamte Planung dient als Bedarfsplanung und wird durch die Vertriebsverantwortlichen durchgeführt. Dabei werden Umsatzwerte anhand von historischen Preisen berechnet und gelten als Richtgröße für die Planer.

Die Jährliche Vorplanung dient als Ersteinschätzung für das Folgejahr und wird direkt als Primärbedarf in SAP hinterlegt. Grundlage für die Planung sind Vorschlagswerte, berechnet aus den historischen Werten der vergangenen 12 Monate unter Einbezug von Zielvorgaben. Für neue Artikel schätzt das Produktmanagement die Mengen als Vorschlagswerte für die Planung ein. Hierfür können automatische Vorschlagswerte über eine Kundenverteilung oder Artikelreferenzierung erzeugt werden.

Insgesamt plant Fissler bis zu 2.000 Artikel. Um fokussiert vorgehen zu können, wird dem Planer eine Einteilung in Artikelrubriken für sein individuelles Vertriebsgebiet angezeigt: die 80 umsatzstärksten Artikel, Verkauf von mehr als 1.000 Stück in den letzten 12 Monaten, neue Artikel und die übrigen Artikel.

Flexibel und mehrsprachig planen

Mit Hilfe dieser Einteilung plant der Vertriebsverantwortliche die Mengen auf Artikelebene und kann flexibel Details bis auf Kundenebene anpassen. Zur Orientierung steht ihm eine Artikelhistorie zur Verfügung. Dort werden Artikeldetailinformationen von der Material-Nr., Lieferklasse, Branchenzuordnung bis hin zu den Ist-Absatzmengen pro Monat der letzten 36 Monate angezeigt. Zusätzlich sind die Top-10-Kunden für diesen Artikel und ein grafischer sowie tabellarischer Plan-/Ist-Vergleich sichtbar. Boards Mehrsprachigkeit sowie die sprachlich angepassten Datenbanken für die Tochtergesellschaften ermöglichen auch den Planern im Ausland, sich unkompliziert zurechtzufinden.

Um die Termintreue und Planungsgüte zu erhöhen, werden Abgabedaten angezeigt, die Planung zentral geprüft und freigegeben und sämtliche Statusdaten dokumentiert. Nach Abschluss und Prüfung der Vorplanung übermittelt das Zentrale Controlling die Planwerte an SAP. Hier erfolgt automatisch die Umwandlung der Planmengen von VIPS in SAP-Primärbedarfe, die später im Zuge des rollierenden Forecasts in monatliche Kontingente konkretisiert werden.

Die Ergebnisse der Jährlichen Vorplanung im Bottom-up-Verfahren fließen nicht nur in den rollierenden Forecast, sondern auch in die Zentrale Jahresplanung. Hier plant die Zentrale in Idar-Oberstein auf Basis der Absatzmengen zusätzlich die Planpreise, berücksichtigt saisonale Effekte, Trends und Sondergeschäfte und erhält eine verfeinerte Absatzplanung und detaillierte Deckungsbeitragsplanung.

Mit Abschluss und Freigabe der jährlichen Vorplanung beginnt der rollierende Forecast mit einem Monat Vorlauf für die drei darauf folgenden Monate. Dem Vertriebsverantwortlichen werden die Werte aus der Vorplanung und unter Berücksichtigung neuer Kunden und neuer Produkte aus dem vorherigen Rolling Forecast-Monat zur Anpassung angeboten. Übermäßige Abweichungen zum Vormonat, +/- 25 Prozent, sind sofort für den Planer farblich nach dem Ampelprinzip sichtbar. Fehlende Artikel oder neue Kunden können manuell hinzugefügt und mit Vorschlagswerten per Referenzierung oder anhand von Durchschnittswerten versehen werden.

Planungsgüte wirkt sich auf individuellen Erfolg aus

Nach Abschluss der Planung erfolgt die Umwandlung der Planmengen in SAP-Mengen-kontingente für die Vertriebsverantwortlichen. In der internationalen Planung erfolgt zudem teilweise die Generierung von SAP-Aufträgen aus dem ersten Planmonat.

Der rollierende Forecast hat somit bewusst eine hohe Verbindlichkeit. Ungenaue Planungen oder fehlende Planwerte wirken sich unmittelbar auf den individuellen Erfolg aus. Somit liegt es im eigenen Interesse der Vertriebsverantwortlichen pünktlich und reflektiert zu planen. Dadurch möchte Fissler  die hohe Relevanz der Bedarfsplanung verdeutlichen, die Planungsgüte erhöhen und schlussendlich die Supply Chain-Prozesse vom Einkauf über die Logistik, die Produktion und das Lager optimierend unterstützen.

Aktionserwartungen fließen in den Forecast

Das Modul Aktionsplanung setzten die SDG-Berater analog zu der alten Version um. In dieser werden Besonderheiten aus dem Aktionsgeschäft geplant (siehe eigene Fallstudie zu diesem Projekt unter "Fertigung"). Die Ergebnisse fließen als unterstützende Information für den Vertriebsverantwortlichen in den rollierenden Forecast ein.

Ein weiterer Schritt im System-Relaunch ist das Modul Infosystem, welches das gesamte Reporting umfasst. Die Umsetzung wird vor allem durch die Fissler-Key-User übernommen, die bei Bedarf auf SDG-Know-how zurückgreifen.

Der Kundennutzen

Ein strukturierter Planungsprozess unterlegt mit einem entsprechenden Workflow in Board unterstützt alle an der Planung beteiligten Personen. Mit dem Relaunch der integrierten Bedarfsplanung schafft Fissler eine noch konsequentere Voraussetzung für eine bedarfsoptimierte Produktions- und Beschaffungsplanung. Treffsicherheit und Verbindlichkeit in der Planung ermöglichen eine termingerechte, sichere und flexible Versorgung der Fissler-Kunden. Zugleich ist die Optimierung der Fertigwarenbestände ein maßgeblicher Erfolgsfaktor bei der Reduzierung von Kapitalbindung.

„Technisch befindet sich unser VIPS heute auf dem neuesten Stand. Und das nun vorhandene zentrale Datawarehouse sorgt für Flexibilität, um auch künftig Daten zu integrieren. Internes Know-how zur Anpassung der Lösung sowie die sehr gute Zusammenarbeit mit SDG in Verbindung mit dem jetzigen Stand der Lösung, lässt uns zu dem Schluss kommen, dass wir mit VIPS für die Zukunft gerüstet sind, um Nachfrage am Markt bedarfsgerecht bedienen zu können. Somit ist unsere integrierte Bedarfsplanung ein erfolgsentscheidender Faktor und schafft für uns einen klaren Wettbewerbsvorteil“, sagt Dr. Peter Schätzler, Bereichsleiter Supply Chain Management bei Fissler.